Salzgitter-Bad bleibt Kurort
Aufgrund eines Landesgesetzes mussten alle niedersächsischen Heilbäder ihre Anerkennung neu beantragen, sonst hätten sie sie zum 31. Dezember 2010 verloren. Salzgitter-Bad war der erste Kurort in Niedersachsen, dem die Urkunde erneut ausgehändigt wurde.
Aus den Händen von Staatssekretär Oliver Liersch vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr konnte Oberbürgermeister Frank Klingebiel am Freitag, 26. November, im Salinengarten im Kreis zahlreicher Repräsentanten des bürgerschaftlichen Lebens die Anerkennungsurkunde entgegennehmen.
Für die Menschen in Salzgitter-Bad, zeigte sich Klingebiel überzeugt, sei die erneute Anerkennung ein ganz wichtiges Ereignis. Viele hätten sich seit Jahren engagiert, um die Tradition des Thermalsolbades zu pflegen und fortzusetzen. Bestes jüngstes Beispiel sei der Gradierpavillon, der inzwischen aus der Traditionsinsel nicht mehr wegzudenken sei.
Für Liersch war der Besuch in der Stadt als gebürtiger Salzgitteraner ein Heimspiel. Auch er zeigte sich erfreut, dass der Traditionsstadtteil seinen Titel wiedererringen konnte. Eine ganze Reihe von Orten habe den Status verloren, weil die neuen Kriterien nicht erfüllt worden seien. Darauf könne "Bad" stolz sein. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass die Anerkennung Arbeitsplätze erhalten und neue schaffen könne.
Die 25prozentige Thermalsole von Salzgitter-Bad sprudelt aus rund 200 Metern Tiefe. Sie zählt zu den stärksten in Mitteleuropa. Aus der Traditionsinsel im Herzen der Altstadt wird sie direkt in das Thermalsolbad gefördert. Oberhalb der Stadt gelegen bietet es mit der Kombination aus Thermal-Sole-Wellenbad, Sauna-Land, Fitness-Treff und der Praxis für Krankengymnastik ein umfangreiches Leistungsspektrum rund um das Thema Gesundheit.
Einzigartig in der Region ist neben dem klassischen krankengymnastischen Leistungsspektrum die Sole-Photo-Therapie sowie ein Wannenbad in hochkonzentrierter Sole mit anschließender Bestrahlung zur Behandlung von verschiedenen Hautkrankheiten. Bewegungsbäder im 34°C warmen Thermal-Sole-Therapiebecken und umfangreiche Wohlfühlangebote runden das Programm ab.
Zur Geschichte: Die Entstehung und Entwicklung von Salzgitter-Bad wurde bis in das 19./20. Jahrhundert in erster Linie durch das Salzvorkommen bestimmt. Im 19. Jahrhundert kam die Nutzung der Sole zu Heilzwecken hinzu, der Salinenbereich wandelte sich im 20. Jahrhundert zum Kurgebiet. Heute erinnert der Rosengarten mit dem Gradierpavillon an den Standort der früheren Saline und den Kurgarten.
Eine erste Nutzung der Sole zu Kur- und Heilzwecken fand nachweislich 1825 statt. Die Kureinrichtungen waren zunächst bescheiden. Ein erstes Badehaus entstand um 1886/1890. 1910 übernahm die herzoglich-braunschweigische Regierung die 200 Jahre lang verpachtete Saline in eigene Regie. Das alte Badehaus wurde 1911 durch ein neues, größeres ersetzt.
1926 gingen die Badeeinrichtungen in den Besitz der Stadt Bad Salzgitter über. Zu Beginn der 1930er Jahre erlebte es eine Blütezeit. Während des Zweiten Weltkrieges bis in die Nachkriegszeit ruhte der Kurbetrieb weitgehend. Erst in den 1950er Jahren belebte sich der Kurbetrieb wieder. Die Einrichtungen wurden modernisiert und ausgebaut. Eine Attraktion war 1954 die an das Badehaus angebaute Sauna mit Sole-Tauchbecken. 1959 wurde neben dem Badehaus die "gläserne Liegehalle" eingeweiht und 1966 im Sauna-Haus das "Stanger-Bad" . Viele Kuren wurden ambulant an Patienten aus der Region verabreicht, aber auch aus den Großstädten, vor allem Hamburg und Berlin, kamen viele Gäste.
Der alte Kurgarten wurde 1973 als Salinengarten umgestaltet und das alte Badehaus 1974 abgerissen. Der Salinengarten mit Tillyhaus (Haus des ehemaligen Salinenverwalters), Kniestedter Herrenhaus und Garßenhof als Bettenhaus des Hotels Ratskeller entwickelte sich zur "Traditionsinsel". 1989 kam der Rosengarten hinzu und in diesem Jahr wurde der Gradierpavillon der Öffentlichkeit präsentiert.

