Nachwuchssicherung für Salzgitter
Oberbürgermeister Frank Klingebiel, der Personalvorstand der Salzgitter AG, Peter-Jürgen Schneider, der Geschäftsführer der Arbeitsagentur Braunschweig, Harald Eitge, und Christian Wichert, BONA-Projektleiter bei der projekt Region Braunschweig GmbH stellten das Konzept vor. Schneider referierte zum zentralen Thema „Die Zukunft durch Qualifizierung sichern" und Wichert sprach über „BONA Salzgitter, denn Vorbeugen ist besser als Heilen". Moderiert wurde das Programm von der Kinder- und Familienbeauftragten, Sylvia Fiedler. Zur Begrüßung sprachen Klingebiel und Eitge.
Bona SZ steht für "Berufsorientierung und Nachwuchssicherung für gewerblich-technische und naturwissenschaftliche Berufe unter veränderten demografischen Bedingungen". "Hinter diesem Titel verbirgt sich ein für den Wirtschaftsstandort Salzgitter zentrales Zukunftsprojekt im Interesse der jungen Generationen und der Unternehmen in der Stadt", unterstrich Klingebiel. Initiiert von ihm und der Salzgitter AG wird BONA getragen von der Projekt Region Braunschweig GmbH, die eng mit der Bundesagentur für Arbeit in Braunschweig kooperiert. Mit dabei sind ebenso VW, MAN, Alstom-LHB und Bosch.
Ziel ist es, in Salzgitter als einer Region mit hoher industrieller Dichte modellhaft zu entwickeln, wie durch systematische und institutionalisierte Zusammenarbeit von Ausbildungsbetrieben, Schulen, Stadt und Arbeitsagentur die Berufsorientierung verbessert und die zur Sicherung der Wirtschaftsstruktur notwendige Nachwuchsgewinnung geleistet werden kann.
Nach den Worten des Oberbürgermeisters ziele BONA auf Schüler der Sekundarbereiche I und II. Es werde sich im Verlauf für kleine und mittelständische Unternehmen in Salzgitter öffnen. Das Vorhaben füge sich nahtlos in sein Leitbild der „kinder- und familienfreundlichen Lernstadt" ein, da eine rationale und erfolgreiche Berufswahlentscheidung aus individueller und gesellschaftlicher Perspektive einen wesentlichen sozialen und materiellen Beitrag für eine funktionierende Sozialstruktur leiste.
Wichert bestätigte, dass für BONA eine Bestandaufnahme in den beiden Sekundarbereichen erfolgt sei und „alle Schulen an Bord" seien. Je nach Projektverlauf würden Arbeitsgruppen gebildet, die Teilaspekte bearbeiten könnten wie Interesse wecken und erhalten, Berufsorientierung ermöglichen oder Entscheidungshilfen geben. Strukturell solle auf Bestehendem aufgebaut, Bewährtes neu belebt und Neues weiterentwickelt werden. Beispiele wären der Arbeitskreis der Schulleitungen, die Ausbildungs- und Personalleiterrunde in Salzgitter sowie Schulpartnerschaften der fünf großen Unternehmen.
Zum Hintergrund: Für Deutschland wird bis 2020 ein Rückgang der Schülerzahlen um 18,6 Prozent bei gleichzeitiger Verschiebung zwischen den Schulformen zu Lasten der Haupt- und Realschulen prognostiziert. Das klassische Potenzial für gewerbliche-technische Berufsausbildung wird sich in dieser Zeitspanne um bis zu einem Drittel verringern. Schon jetzt sind Nachwuchsprobleme bei ingenieur- und naturwissenschaftlich geprägten Berufen unverkennbar. Im Gegenzug wächst die Zahl der Studienberechtigten kräftig an.
In Südostniedersachsen verstärkt sich diese Entwicklung noch durch Bevölkerungsverlust und den Überalterungsprozess. So sinkt bis 2021 der Anteil der Einwohner unter 18 Jahren in der Stadt Salzgitter um gut 27 Prozent auf unter 15 000. Für die Projekt-Partner ist damit klar: Es muss gegengesteuert werden, da die Region nach wie vor maßgeblich von industriellen Strukturen bestimmt ist. Eine nachhaltige Schädigung dieser wirtschaftlichen Basis würde erhebliche auch gesamtgesellschaftliche Probleme aufwerfen. In einem zweiten mit dem Schuljahr 2011/12 beginnenden Schritt, soll das Salzgitter-Modell auf die Region Braunschweig übertragen werden.

